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Christlicher Fundamentalismus verhindert pädagogischen „Evolutionsweg“

Die Giordano-Bruno-Stiftung wollte in Hellenhahn-Schellenberg einen pädagogischen Evolutionsweg mit 20 Stationen aufstellen. Er sollte die Entwicklung vom Urknall bis zum Menschen darstellen. Die Bürgermeisterin Birgit Schmidt und der Gemeinderat fanden die Idee gut und rechneten mit Erfolg. Jedoch:

Die Gegner des geplanten Weges in dem christlich geprägten Westerwaldort kritisierten die Stiftung, weil sie ihrer Meinung nach atheistische Positionen verbreiten möchte. Das störte die gläubigen Kritiker in Hellenhahn-Schellenberg. Sie glauben daran, dass Gott die Welt erschaffen hat.
[…]
Karl-Heinz Stinner: „Ich habe nichts dagegen, wenn sie ihre evolutionäre und atheistische Denkweise hier auslebt. Aber bitte nicht auf unsere Steuerkosten.“

(swr.de)

Das Ende: Per Bürgerentscheid wurde der Evolutionsweg mit 339 gegen 250 Stimmen abgelehnt.

Und das ist ein Beispiel für ein viel größeres, viel allgemeineres Problem. Die Demokratie stützt sich auf die Überzeugung, dass wir Menschen kraft unseres Verstandes dynamisch Entscheidungen treffen können, die besser sind als die dogmatischen Vorschriften einer Religion. Eine Voraussetzung ist dabei, dass der Großteil der Menschen eine richtige, rationale Entscheidung trifft. Klar gibt es vereinzelt dumme, verwirrte oder boshafte Menschen, aber diese können ein vernünftiges Ergebnis einer Abstimmung nicht verhindern, da sie zu wenige sind.1
Irrationale Weltanschauungen – wie Religionen – können diesen wichtigen, selbstregulierenden Mechanismus zerstören. Wer einer irrationalen Weltanschauung angehört, wird bei bestimmten Themen, zu denen seine Weltanschauung eine Antwort hat, systematisch irrational abstimmen2 – und irrational heißt meistens: falsch. Religionen vereinen so viele Mitglieder in sich, dass sie einen schädlichen Einfluss auf die demokratische Entscheidungsfindung ausüben können.

Das Tückische an solchen Weltanschauungen ist, dass sie unbemerkt koexistieren können und keine Wirkung entfalten, solange es keinen Anlass dazu gibt. Dann jedoch haben sie eine faktische Auswirkung, die den Rest der Gesellschaft unvorbereitet trifft und mitunter vor handfeste Probleme stellt. Dies zeigte sich bereits bei rechtsextremen, islamischen3 und anderen extremen gesellschaftlichen Positionen.
Es ist anzunehmen, dass sich die Chancen der Bürgermeisterin auf eine Wiederwahl nun stark reduziert haben und in Zukunft eine christlichere Person eingesetzt wird.
Hier noch ein Video von extra3 aus der Reihe „Realer Irrsinn“, das kurz vor der Abstimmung erstellt wurde: Ärger um Evolutionsweg im Westerwald.

Deswegen bin ich schon lange der Überzeugung: Ein säkularer Staat reicht nicht.

  1. Gemäß der Normalverteilung natürlicher Größen sind die Extremwerte deutlich seltener als die näher am Durchschnitt liegenden.
  2. Prominente Beispiele sind Sterbehilfe, Gotteslästerung und Schwangerschaftsabbruch
  3. Aktuell: Die breite Gegnerschaft muslimischer Länder und Bürger zu Frankreich, nachdem Macron als Antwort auf den Mord am Lehrer Samuel Paty, der Mohammed-Karikaturen im Unterricht zeigte, die Meinungsfreiheit entschieden unterstützen will und islamistischer Intoleranz den Kampf ansagt.

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