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Kein gemeinsamer Ethik-/Religionsunterricht: So vertieft man die Gräben

Die bayerische Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer (CSU) bezeichnete die Entscheidung für das Wahlpflichtfach [islamischer Religionsunterricht] als wichtigen Baustein der Integration und des friedlichen Miteinanders. <<

Humanistischer Pressedienst

Und das Folgende schrieb Naïla Chikhi, selbst Muslima, erst vor einem Monat:

Einer der Mitdiskutanten aus dem Libanon, selbst vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Deutschland geflohen, wies auf einen weiteren integrationshemmenden Faktor hin: Der islamische Religionsunterricht.
[…]
Diese Menschen sind nach Deutschland gekommen in der Hoffnung, hier als Individuen und als BürgerInnen aufgenommen zu werden. Geflüchtete Menschen, seien sie erwachsen oder im schulischen Alter, erneut nach Konfession zu trennen und somit zu isolieren, würde bedeuten, ihnen dasselbe anzutun, was sie in ihren Herkunftsländern erlebt haben. Darüber hinaus haben viele von ihnen den Wunsch geäußert, mehr über die hier geltenden demokratischen Werte zu erfahren, um sich selbstständig in unserer Gesellschaft orientieren zu können.

Humanistischer Pressedienst

Nicht nur Naïla Chikhi, auch andere liberale Muslime, Ex-Muslime, Humanisten und überhaupt jeder, der sich mit der Materie beschäftigt hat, steht meinen Erfahrungen gemäß in starker Opposition zu der Auffassung der Integrationsbeauftragten. Wenn man Kinder bis zum Erwachsenenalter mit zueinander inkompatiblen Weltanschauungen indoktriniert, in denen es zudem um das Bedeutendste – Sinn des Lebens, Entstehung des Universums, ewige Glückseligkeit oder ewige Folter – geht, hat man doch logischerweise den Grundstein für spätere Konflikte gelegt. Nicht nur gesellschaftlicher Art, sondern aufgrund der Inhalte jedweden Religionsunterrichts sogar mit der Realität.

Dabei ist die von Chikhi vorgeschlagene Lösung, einen religionsübergreifenden Ethikunterricht zu geben, nicht nur ohne Nachteile, sie käme sogar mit zusätzlichem Gewinn: Denn es ist eine Lösung, die nicht auf Verbot und Unterdrückung von Religion setzt, wie autoritäre Staaten dies mitunter praktizieren, sondern auf Aufklärung, Verständnis, Bildung und die Schulung kritischen Denkens, welches bei Beschäftigung mit eigenen und fremden Weltanschauungen entwickelt wird.
Wir wissen heute, wie sehr das Verharren in „Filterblasen“ zu einer Radikalisierung führen kann. Auch daraus kann man die Lehre ziehen, dass ein gemeinsamer Ethikunterricht ein Baustein für Extremismusprävention ist, nicht zuletzt, weil es darin zwangsläufig zu einer Relativierung der sonst Absolutheit beanspruchenden Religionen kommt.

Leider setzt Bayern stattdessen die für einen säkularen Staat unrühmliche Praxis der Sonderbehandlung von Religionen und der Vertiefung von religiösen Konflikten fort. Angesichts der Geschehnisse in der Welt gehört ein ganz ordentliches Maß an Ignoranz dazu.

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