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Eine kurze Warnung vor der Abschaffung des Bargelds

Befeuert durch die Angst vor einer Infektion während der Coronapandemie, bezahlen Deutsche (deren Liebe zum Bargeld oft belächelt wird) häufiger elektronisch. Für andere geht es nur um Bequemlichkeit. Einige Politiker betrachten dieses Geschehen mit Freude. Schon lange stehen Regierung und Bürger in einem gewissen Machtkampf. Elektronische Überwachung und Kontrolle sollten schon häufig die Macht Richtung Regierung verschieben. Keine Kontrolle wäre so kosteneffizient wie die Abschaffung des Bargelds. Dies liegt daran, dass für die Umsetzung der Kontrolle kein Aufwand seitens des Staates mehr betrieben werden müsste. Während andere Entwürfe von Kontrollmechanismen neue technische Systeme oder großen Personalaufwand erfordern, verteilt sich der Aufwand der Kontrolle bei rein elektronischer Zahlweise im System. Die Durchsetzung der Kontrolle, die Einschränkung der Freiheit des Individuums, sind dabei inklusive. Begründet ist dies im Geldsystem, welches alle Bereiche des Lebens durchzieht und auf dessen regelkonformer Nutzung jeder Teilnehmer ein wachsames Auge hat. Laufen alle Transaktionen erst einmal elektronisch, lässt sich jedes Individuum – sogar ohne die in elektronischen Transaktionen implizite Überwachung zu nutzen – jederzeit und überall quasi ausschalten, also weitestgehend handlungsunfähig machen.

Welche Optionen hätte ein politisch Verfolgter, dessen Konto eingefroren wurde? Er könnte sich kein Essen mehr kaufen. Er könnte seine Miete und seinen Strom nicht mehr bezahlen. Am schlimmsten: Selbst seine besten Freunde könnten ihm kein Geld geben, um ihm zu helfen. Das Land könnte er nicht mehr alleine verlassen. Falls ein Helfer ihm einen Flug bezahlen könnte, dessen Kosten vom Konto des Helfers abgebucht würden, so würde dieser ebenfalls ins Visier der Verfolger geraten. Ähnliches gilt für Reisen innerhalb des Landes mit Zügen und Bussen. Eine kurzfristige Option des Verfolgten wäre das Auto, bis der Treibstoff leer ist, denn er kann keinen neuen mehr kaufen.

Kurz: Der Verfolgte stünde schlechter da als ein heutiger Bettler, denn er könnte nicht einmal mehr Geld erbetteln. Es könnte ihm ja nicht übertragen werden. Und der Aufwand der Regierung bestünde lediglich im Einfrieren des Kontos, was in einem zunehmend autoritärer werden Staat auf einem immer kürzeren Dienstweg geschehen würde. Schlussendlich könnte das Staatsoberhaupt höchstpersönlich eine Checkbox anhaken: „Konto einfrieren“. Bequem, schnell und ohne Hemmschwelle.

Ich sage damit nicht voraus, dass Deutschland zu einem autoritären Staat wird. Es ist für einen denkenden Demokraten allerdings selbstverständlich, das System so zu gestalten, dass es einem potentiellen Despoten keine solch mächtigen Werkzeuge in die Hand gibt. In einer Demokratie kann nahezu jeder an politische Machtpositionen gelangen. Wir sollten diese zur Demokratie gehörende Freiheit würdigen und schützen; aber das können wir nur, wenn sie nicht zu einem untragbaren Risiko für ebendiese Demokratie und Gesellschaft wird.

Sieh dich in der Welt um. Sieh nach Amerika, Polen und zur Türkei. Glaubst du, dass nach Macht strebende Politiker moralische Hemmungen haben, irgendein Instrument auf undemokratische Art gegen politische Gegner oder die Bürger allgemein zu benutzen?

Neben dieser Gefahr kann man sich ausmalen, was ein rücksichtsloser (und möglicherweise dummer) Alleinherrscher mit dem Geld selber anstellen kann, wenn es zu frei manipulierbaren Zahlen geworden ist. Leichter und schneller könnte man den Geldwert und ein Finanzsystem gar nicht zerstören.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das Scheitern des Systems keiner machtgierigen Menschen bedarf. Cyberkriminalität, Stromausfälle und technische Störungen, die insbesondere bei Naturkatastrophen große Ausmaße annehmen können, sind ebenfalls gefährlich. Im Kriegsfall wäre es durch Cyber Warfare,  EMP-Waffen und andere taktische Angriffe leicht zu (zer-)stören.

2 Kommentare

  1. Gernot Ey

    Völlige Zustimmung! Als Nachtrag möchte ich noch anmerken, dass bereits heute die Anzeichen eines Missbrauchs der elektronischen Kontoführung deutlich sichtbar werden. Unliebsamen Zeitgenossen (im Sinne der Herrschenden) oder ganzen Organisationen werden die Konten gekündigt, sei es bei Sparkasse, Großbanken oder Paypal. Meiner Meinung nach befinden wir uns auf dem direkten Weg in einen Neofeudalismus. Eigentlich sollten sich
    *alle* demokratisch gesinnten Bürger dagegenstellen, egal ob ob sie sich links, in der Mitte oder rechst verorten. Derzeit habe ich aber leider den Eindruck, dass viele der Ansicht sind „das Hemd ist mir näher als die Hose“. Eine äußerst fatale Einstellung, denn damit kann der Zwist zwischen den politischen Strömungen natürlich bestens ausgenutzt werden, in dem man sich nach und nach jede demokratische Strömung vornimmt und sie mir Hilfe einer anderen demokratischen Strömung „fertig“ macht.
    Es ist noch nicht zu spät sich diesen Tendenzen entgegen zu stellen, aber es ist 5 vor 12! Verteidigen wir nicht *gemeinsam* unsere Rechte, dann werden wir *alle* bald keine Rechte mehr haben.

  2. admin

    Ja, ich sehe ebenfalls die zunehmende Zersplitterung und Radikalisierung in der Gesellschaft. Oft zeigen die Gruppen mit dem Finger aufeinander oder kritisieren das Fehlverhalten von einzelnen einfachen Leuten, obwohl das Problem in der Politik liegt oder dort sehr viel effektiver angegangen werden könnte. Es scheint eine Art Blindheit zu sein, weil sich Menschen eher auf den Nachbarn oder die eigene soziale Umgebung fokussieren. Einer nach Macht strebenden Regierung kommt eine solche Zersplitterung sehr entgegen, denn sie verunmöglicht irgendwann einen breiten Konsens in der Bevölkerung.

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