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Abschaffung der Zeitumstellung

Vor dem Hintergrund der Abschaffung der Zeitumstellung muss man sich mit der Wahl zwischen zwei Alternativen beschäftigen: Ewige Sommerzeit oder ewige Normalzeit?
Das Problem mit der Sommerzeit ist schon lange bekannt, daher habe ich demonstrativ Exzerpte aus einem Artikel von 2007 ausgewählt, der über eine Studie berichtet.

An ihren freien Tagen jedoch richtete sich der Schlaf jedoch eher nach der Normalzeit und damit nach dem sich jahreszeitlich ändernden Sonnenaufgang. Hatten die Menschen also die Wahl, folgten sie eher ihrer inneren Uhr als der gesetzlich festgelegten Sommerzeit.

[…]

Sowohl die Tagesaktivitäten als auch die Schlafgewohnheiten richteten sich auch zwei Wochen nach der Zeitumstellung [auf Sommerzeit] weiterhin nach dem Tages- und Nachtzyklus der Sonne. Allein: Aufstehen mussten die Menschen früher. Im Endeffekt bekamen sie deshalb weniger Schlaf

[…]

Seiner Ansicht [Chronobiologe Thomas Kantermann] nach bringt die Sommerzeit unsere innere Uhr derart durcheinander, als würde man uns jedes Frühjahr in ein anderes Land bringen, ohne uns an die dortige Zeitzone anzupassen.

Wohlgemerkt: Da geht es lediglich um die Sommerzeit im Sommer; im Winter sind die Effekte noch stärker. Aktuell informiert auch das sehr empfehlenswerte Quarks und Co. in einem kurzen Video zu dem Thema:

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Konkrete Folgen der dauerhaften Sommerzeit rechnet dieser Artikel vor.

Wenn die Sommerzeit auch im Winter gilt, würde es jedoch in den dunklen Monaten noch später hell. In Warschau etwa ging am 1. Januar dieses Jahres um 7.45 Uhr die Sonne auf – nach der Sommerzeit um 8.45 Uhr; in Berlin wäre es 9.17 Uhr und in Madrid sogar 9.38 Uhr gewesen. Für Schulkinder würde das düstere erste Schulstunden bedeuten und viele Arbeitnehmer müssten im Stockfinsteren im Büro sitzen.

Auch eine dauerhafte Normalzeit hätte für bestimmte Zeiträume im Jahr eher unangenehme Effekte:

In Berlin beispielsweise ging die Sonne dieses Jahr am 15. Juni um 4.44 Uhr auf – hätte die Winterzeit gegolten, wäre es da erst Viertel vor vier gewesen.

Diese beiden Fälle sind natürlich in der Nähe der jeweiligen Sonnenwenden, daher entsprechend ausgeprägt. Zur Abwägung ist hier wichtig: In der Praxis kann man gegen die Effekte einer zu früh aufgehenden Sonne leicht Maßnahmen treffen (Jalousien, Schlafbrille). Gegen die einer zu spät aufgehenden jedoch nicht. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als im Dunkeln zur Arbeit zu gehen bzw. in der Wohnung elektrisches Licht einzuschalten, das kein Ersatz für Sonnenlicht sein kann.

Interessanterweise ist sich die Presse einig, dass die dauerhafte Sommerzeit eine sehr schlechte Wahl wäre. Ich habe Hoffnung, dass sich die EU-Bürger bekehren lassen, die noch vor Kurzem mehrheitlich für die Beibehaltung der Sommerzeit gestimmt hatten.

Ergänzung 31.03.2019:
Schlafforscher Till Roenneberg hält die Sommerzeit für eine Katastrophe. Zitat: „Wenn überhaupt, sei das Gegenteil sinnvoll, nämlich die ganzjährige Winterzeit.“

Ergänzung 27.10.2019:
Passend zur Zeitumstellung gibt es einen neuen Artikel und ein Video des exzellenten Channels maiLab zum Thema, siehe weiter unten. Aus dem Artikel:

Im Bundestag steht die Entscheidung noch aus, aber der zuständige Wirtschaftsminister Peter Altmaier tendiert ebenfalls zur Sommerzeit

Warum? Wie ist das zu erklären? Es wurde doch so viel Aufklärungsarbeit geleistet.

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Die politische Entscheidung über die Sommer- oder Normalzeit wird sehr aufschlussreich werden. Im Gegensatz zu Themen wie der Urheberrechtsform oder dem Dieselskandal dürfte die Entscheidung kaum oder gar nicht von Lobbyisten beeinflusst werden, denn welche Unternehmen hätten ein starkes Interesse an einer bestimmten der beiden Lösungen? Es wird eine seltene Chance werden, die tatsächliche Kompetenz unserer Politiker beurteilen zu können.

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