{"id":969,"date":"2019-10-31T19:30:24","date_gmt":"2019-10-31T18:30:24","guid":{"rendered":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/?p=969"},"modified":"2019-10-31T19:49:19","modified_gmt":"2019-10-31T18:49:19","slug":"meine-einstellung-zu-fremdwoertern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/10\/31\/meine-einstellung-zu-fremdwoertern\/","title":{"rendered":"Meine Einstellung zu Fremdw\u00f6rtern"},"content":{"rendered":"<h2>Nachteile der Verwendung von Fremdw\u00f6rtern<\/h2>\n<p>Wer viele Fremdw\u00f6rter verwendet, steht h\u00e4ufig im Ruf, arrogant zu sein oder den Anschein von Intelligenz oder Bildung erwecken zu wollen.\u00a0Falls eine solche Abneigung vorliegt, ist der Grund ein verletzter Stolz des Adressaten,<span id='easy-footnote-1-969' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/10\/31\/meine-einstellung-zu-fremdwoertern\/#easy-footnote-bottom-1-969' title='Zu &lt;em&gt;Sender&lt;\/em&gt; und &lt;em&gt;Adressat&lt;\/em&gt; siehe Wikipedia:&lt;em&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adressat_(Linguistik)&quot;&gt;Adressat_(Linguistik)&lt;\/a&gt;&lt;\/em&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> der sich aufgrund seines augenscheinlich kleineren Wortschatzes als der weniger Belesene und weniger Gebildete w\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund, weshalb Menschen, die intensiven Gebrauch von Fremdw\u00f6rtern machen, mit Feindseligkeit rechnen m\u00fcssen, ist der, dass sie den Verdacht erwecken, gar nicht verstanden werden zu <em>wollen<\/em>, weil sie die Adressaten bewusst t\u00e4uschen wollen. Auch ich kenne solche F\u00e4lle, meist in Form von Artikeln \u00fcber Kunst, die trotz Inhaltsleere und Sinnlosigkeit das besprochene Kunstwerk mit dem Schein der Bedeutsamkeit<span id='easy-footnote-2-969' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/10\/31\/meine-einstellung-zu-fremdwoertern\/#easy-footnote-bottom-2-969' title='oder auch: mit dem Halo der Importanz.'><sup>2<\/sup><\/a><\/span> versehen sollen. Ansonsten begegnet einem solcherlei Missbrauch von Fremdw\u00f6rtern, gepaart mit verschachtelten S\u00e4tzen und obskurer bis obskurantistischer Argumentation, in theologischen und soziologischen Texten (letztere meist tendenzi\u00f6se Zeitungsartikel von politisch rechten oder linken Redakteuren).<\/p>\n<p>Trotz ihres deutlich erkennbaren Hangs zur T\u00e4uschung verwenden Politiker typischerweise eine einfache Sprache. Sie m\u00f6chten einen gro\u00dfen Teil der B\u00fcrger erreichen und die \u00f6ffentliche Meinung mit einfachen Phrasen dirigieren. Entscheidend f\u00fcr die T\u00e4uschung ist, dass sie ihre Worte mit Bedacht so w\u00e4hlen, dass sie unverbindlich sind und auf vielerlei Art ausgelegt werden k\u00f6nnen. Im Gegensatz zu einer fremdwortreichen Rede liegt die Gef\u00e4hrlichkeit ihrer einfachen Sprache nicht darin, dass das so Gesagte gar nicht verstanden w\u00fcrde \u2013 dies w\u00e4re dem Adressaten wenigstens bewusst \u2013, sondern dass der Adressat den Eindruck hat, es richtig zu verstehen, obwohl er lediglich unbewusst eine ihm naheliegende Interpretation w\u00e4hlt. Sollte der Politiker sp\u00e4ter auf Basis dieser Interpretation zur Verantwortung gezogen werden, so kann sich dieser unter Ausnutzung der Mehrdeutigkeit seiner Worte aus der Angelegenheit geschmeidig herauswinden \u2013 die Genauigkeit von Fremdw\u00f6rtern h\u00e4tte dies sehr erschwert oder verhindert.<br \/>\nWenn Fremdw\u00f6rter in der Politik verwendet werden, geschieht dies fast immer in Form von Kampfbegriffen, die dann \u00fcber Monate oder Jahre verwendet werden. Dauerbrenner sind zum Beispiel <em>Populismus<\/em> und <em>Instrumentalisierung,<\/em> die sich die politischen Lager unerm\u00fcdlich gegenseitig vorwerfen, etwas neuer ist\u00a0<em>Gentrifizierung<\/em>.<\/p>\n<h2>Das Positive an Fremdw\u00f6rtern<\/h2>\n<p>Ob man sich den Spa\u00df an Fremdw\u00f6rtern aus oben genannten Gr\u00fcnden so verleiden l\u00e4sst und ihren Verwendern mit Feindseligkeit begegnet, liegt haupts\u00e4chlich an einem selbst. Diese Feindseligkeit ist besonders heute eine ganz besonders \u00fcberfl\u00fcssige. Gerade bei der Lekt\u00fcre fremdwortreicher Texte kann man heute mittels Internet die Bedeutung der W\u00f6rter nachschlagen und zugleich sein Wissen und seinen Wortschatz erweitern. Dies ist einer der Gr\u00fcnde\u00a0\u2013 ein ganz praktischer \u2013 aus dem ich gerne Texte mit vielen Fremdw\u00f6rtern lese. Was manchen also Leid beschert, beschert mir Freude, da es einen positiven Aspekt hat, der, wie ich finde, \u00fcberwiegt. Der andere Grund ist ein \u00e4sthetischer. F\u00fcr mich sind Fremdw\u00f6rter das Salz in der Buchstabensuppe. Wer seit Jahrzehnten schon Konsument der deutschen Sprache ist, der kann sich irgendwann sattgeh\u00f6rt und -gelesen haben. Die Sprache der meisten B\u00fccher langweilt mich mittlerweile. W\u00e4hlt man hingegen die richtigen B\u00fccher aus, entdeckt man Leckerbissen wie <em>\u00e4quivok, Anakoluth, exuberant<\/em> und <em>H\u00e4resiarch,<\/em> die den Appetit wieder anregen.<\/p>\n<p>Dass Fremdw\u00f6rter eine genauere Ausdrucksweise erm\u00f6glichen, wurde genannt, ist offensichtlich und bedarf eigentlich keiner weiteren Erw\u00e4hnung. Doch auch in den F\u00e4llen, wo sie aus semantischer Sicht unn\u00f6tig w\u00e4ren, haben sie ihren Wert, denn sie k\u00f6nnen eindringlicher und einpr\u00e4gsamer sein. Wer zum Beispiel betont, wie\u00a0<em>arbitr\u00e4r<\/em> etwas ist, der hebt die Beliebigkeit viel st\u00e4rker hervor. Gleichzeitig kommt einem die Aussprache entgegen: Das Wort\u00a0<em>arbitr\u00e4r\u00a0<\/em>l\u00e4sst sich viel besser gedehnt aussprechen als\u00a0<em>beliebig\u00a0<\/em>und hat nicht ganz so zahme Vokale; insbesondere dem\u00a0<em>\u00e4r<\/em> kann ein ge\u00fcbter Sprecher eine bemerkenswerte, fast schon unangenehme Penetranz verleihen.<span id='easy-footnote-3-969' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/10\/31\/meine-einstellung-zu-fremdwoertern\/#easy-footnote-bottom-3-969' title='Typischerweise sind dies \u00f6sterreichische Kellner in sehr hochpreisigen Lokalen.'><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>Menschen, die viele Fremdw\u00f6rter verwenden, stehe ich also ganz und gar nicht feindselig gegen\u00fcber. Selbstverst\u00e4ndlich nehme ich wahr, dass ich im Vergleich zu manchen Autoren einen kleineren Wortschatz habe, insbesondere einen kleineren aktiven. Doch ist dies nicht ehrenr\u00fchrig. Ich freue mich \u00fcber die Gelegenheit, zu lernen und den Genuss des speziellen, ungew\u00f6hnlichen Wortes.<\/p>\n<p>Bei der Verwendung von Fremdw\u00f6rtern in diesem Artikel habe ich mich \u00fcbrigens bewusst zur\u00fcckgehalten. Ihre <em>exuberante<\/em> Verwendung w\u00e4re nat\u00fcrlich verlockend gewesen\u00a0\u2013 und irgendwie <em>meta<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachteile der Verwendung von Fremdw\u00f6rtern Wer viele Fremdw\u00f6rter verwendet, steht h\u00e4ufig im Ruf, arrogant zu sein oder den Anschein von Intelligenz oder Bildung erwecken zu&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/10\/31\/meine-einstellung-zu-fremdwoertern\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Meine Einstellung zu Fremdw\u00f6rtern<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,21],"tags":[],"class_list":["post-969","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedanken","category-sprache","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=969"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/969\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":998,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/969\/revisions\/998"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}