{"id":720,"date":"2019-07-06T11:44:36","date_gmt":"2019-07-06T10:44:36","guid":{"rendered":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/?p=720"},"modified":"2020-10-01T17:13:14","modified_gmt":"2020-10-01T16:13:14","slug":"c-s-lewis-ueber-sehnsucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/07\/06\/c-s-lewis-ueber-sehnsucht\/","title":{"rendered":"C. S. Lewis \u00fcber Sehnsucht"},"content":{"rendered":"<p>Dies schreibt C. S. Lewis \u00fcber Sehnsucht. Es ist in meinen Augen ein vollendeter poetischer Text. Oder ist er vielleicht gar nicht poetisch? Vielleicht hat er nur diese Anmutung, weil er ein Gef\u00fchl so treffend beschreibt (\u00dcbersetzung weiter unten).<\/p>\n<blockquote><p>In speaking of this desire for our own far off country, which we find in ourselves even now, I feel a certain shyness. I am almost committing an indecency. I am trying to rip open the inconsolable secret in each one of you\u2014the secret which hurts so much tha<span class=\"text_exposed_show\">t you take your revenge on it by calling it names like Nostalgia and Romanticism and Adolescence; the secret also which pierces with such sweetness that when, in very intimate conversation, the mention of it becomes imminent, we grow awkward and affect to laugh at ourselves; the secret we cannot hide and cannot tell, though we desire to do both. We cannot tell it because it is a desire for something that has never actually appeared in our experience. We cannot hide it because our experience is constantly suggesting it, and we betray ourselves like lovers at the mention of a name. Our commonest expedient is to call it beauty and behave as if that had settled the matter. Wordsworth\u2019s expedient was to identify it with certain moments in his own past. But all this is a cheat. If Wordsworth had gone back to those moments in the past, he would not have found the thing itself, but only the reminder of it; what he remembered would turn out to be itself a remembering. The books or the music in which we thought the beauty was located will betray us if we trust to them; it was not in them, it only came through them, and what came through them was longing. These things\u2014the beauty, the memory of our own past\u2014are good images of what we really desire; but if they are mistaken for the thing itself they turn into dumb idols, breaking the hearts of their worshipers. For they are not the thing itself; they are only the scent of a flower we have not found, the echo of a tune we have not heard, news from a country we have never visited.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsch:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Wenn ich von diesem Wunsch nach unserem eigenen fernen Land spreche, welches wir sogar jetzt in uns selbst finden, versp\u00fcre ich eine gewisse Scheu. Fast begehe ich eine Unanst\u00e4ndigkeit. Ich versuche, das untr\u00f6stliche Geheimnis in jedem von euch aufzurei\u00dfen\u00a0\u2013 das Geheimnis, das so sehr schmerzt, dass ihr Rache an ihm nehmt, indem ihr es Namen wie\u00a0<em>Nostalgie<\/em> und <em>Romantizismus<\/em> und <em>Adoleszenz<\/em> nennt; das Geheimnis auch, das mit einer solchen S\u00fc\u00dfe durchdringt, dass wir, wenn seine Erw\u00e4hnung in einem sehr vertraulichen Gespr\u00e4ch unmittelbar bevorsteht, ungeschickt werden und \u00fcber uns selbst lachen m\u00fcssen; das Geheimnis, das wir nicht verstecken und nicht verraten k\u00f6nnen, obwohl wir beides zu tun w\u00fcnschen. Wir k\u00f6nnen es nicht verraten, denn es ist ein Verlangen nach etwas, das in unserer Erfahrung niemals tats\u00e4chlich erschienen ist. Wir k\u00f6nnen es nicht verstecken, denn unsere Erfahrung legt es uns st\u00e4ndig nahe, und wir betr\u00fcgen uns selbst wie Liebende bei der Erw\u00e4hnung eines Namens.\u00a0Unser g\u00e4ngigster Behelf ist es, es <em>Sch\u00f6nheit<\/em> zu nennen und so zu tun, als ob die Sache damit erledigt w\u00e4re. Wordsworths Behelf war es, es mit gewissen Momenten seiner eigenen Vergangenheit zu identifizieren. Aber all dies ist ein Betrug. W\u00e4re Wordsworth zur\u00fcckgekehrt zu diesen Momenten in der Vergangenheit, so h\u00e4tte er nicht die Sache selbst gefunden, blo\u00df eine Erinnerung daran; was er erinnerte w\u00fcrde sich selbst als ein Erinnern herausstellen. Die B\u00fccher oder die Musik, in denen wir die Sch\u00f6nheit befindlich w\u00e4hnten, werden uns betr\u00fcgen, wenn wir ihnen trauen; es war nicht in ihnen, es kam nur durch sie, und was durch sie kam, war Sehnsucht. Diese Dinge \u2013 die Sch\u00f6nheit, die Erinnerung unserer eigenen Vergangenheit \u2013 sind gute Bilder dessen, was wir wirklich w\u00fcnschen; aber wenn sie verwechselt werden mit dem Ding selbst, werden sie zu dummen G\u00f6tzen, die die Herzen ihrer Anbeter brechen. Denn sie sind nicht das Ding selbst; sie sind blo\u00df der Geruch einer Blume, die wir nicht gefunden haben, das Echo einer Melodie, die wir nicht geh\u00f6rt haben, Neuigkeiten aus einem Land, das wir niemals besucht haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich stelle fest, dass das \u00dcbersetzen eines Textes eine sehr interessante T\u00e4tigkeit ist. Hier kommt mir zu Gute, dass ich stets auf die Nuancen in der Bedeutung von W\u00f6rtern achte. Oftmals war die direkte \u00dcbersetzung offensichtlich, doch die feinere Bedeutung oder die Poesie einer Formulierung herauszuarbeiten, ist die eigentliche Herausforderung. Zum Vergleich folgt die \u00dcbersetzung durch <a href=\"https:\/\/www.deepl.com\/translator\">deepl.com<\/a>, die den Inhalt zum Gro\u00dfteil korrekt wiedergibt (es gibt wenige, aber klare Fehler), jedoch bei der Wortwahl kein Gesp\u00fcr f\u00fcr \u00c4sthetik oder gar Poesie zeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsch von deepl.com:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Wenn ich von diesem Wunsch nach unserem eigenen fernen Land spreche, das wir auch heute noch in uns selbst finden, f\u00fchle ich eine gewisse Sch\u00fcchternheit. Ich begehe fast eine Unanst\u00e4ndigkeit. Ich versuche, das untr\u00f6stliche Geheimnis in jedem von euch aufzudecken &#8211; das Geheimnis, das so sehr wehtut, <span style=\"color: #ff0000;\">dass ihr es r\u00e4cht<\/span>, indem ihr es Namen wie Nostalgie und Romantik und Adoleszenz nennt; das Geheimnis, das auch mit einer solchen S\u00fc\u00dfe durchdringt, dass wir, wenn in einem sehr intimen Gespr\u00e4ch die Erw\u00e4hnung davon unmittelbar bevorsteht, ungeschickt werden und <span style=\"color: #ff0000;\">uns selbst zum Lachen bringen<\/span>; das Geheimnis, das wir nicht verbergen k\u00f6nnen und nicht erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, obwohl wir beides tun wollen. Wir k\u00f6nnen es nicht <span style=\"color: #ff0000;\">sagen<\/span>, weil es ein Wunsch nach etwas ist, das in unserer Erfahrung nie wirklich aufgetaucht ist. Wir k\u00f6nnen es nicht verbergen, weil unsere Erfahrung es st\u00e4ndig vorschl\u00e4gt, und wir verraten uns wie Liebende bei der Erw\u00e4hnung eines Namens. Unser g\u00e4ngigstes Mittel ist es, es Sch\u00f6nheit zu nennen und so zu tun, als ob die Sache damit erledigt w\u00e4re. Wordsworths <span style=\"color: #ff0000;\">Zweck<\/span> war es, es mit bestimmten Momenten in seiner eigenen Vergangenheit zu identifizieren. Aber all das ist ein Betrug. Wenn Wordsworth zu jenen Momenten in der Vergangenheit zur\u00fcckgekehrt w\u00e4re, h\u00e4tte er die Sache selbst nicht gefunden, sondern nur die Erinnerung daran; was er sich erinnerte, w\u00fcrde sich selbst als eine Erinnerung erweisen. Die B\u00fccher oder die Musik, in der wir dachten, dass die Sch\u00f6nheit liegt, werden uns verraten, wenn wir ihnen vertrauen; sie waren nicht in ihnen, sie kamen nur durch sie, und was durch sie kam, war Sehnsucht. Diese Dinge &#8211; die Sch\u00f6nheit, die Erinnerung an unsere eigene Vergangenheit &#8211; sind gute Bilder von dem, was wir uns wirklich w\u00fcnschen; aber wenn sie mit der Sache selbst verwechselt werden, verwandeln sie sich in dumme G\u00f6tzen und brechen die Herzen ihrer Anbeter. Denn sie sind nicht das Ding selbst; sie sind nur der Duft einer Blume, die wir nicht gefunden haben, das Echo einer Melodie, die wir nicht geh\u00f6rt haben, Nachrichten aus einem Land, das wir nie besucht haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies schreibt C. S. Lewis \u00fcber Sehnsucht. Es ist in meinen Augen ein vollendeter poetischer Text. Oder ist er vielleicht gar nicht poetisch? Vielleicht hat&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/07\/06\/c-s-lewis-ueber-sehnsucht\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">C. S. 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