{"id":671,"date":"2019-04-20T21:16:59","date_gmt":"2019-04-20T20:16:59","guid":{"rendered":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/?p=671"},"modified":"2019-04-20T21:16:59","modified_gmt":"2019-04-20T20:16:59","slug":"zu-hitlers-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/04\/20\/zu-hitlers-geburtstag\/","title":{"rendered":"Zu Hitlers Geburtstag"},"content":{"rendered":"<p>Als Verehrer Jorge Luis Borges&#8216; bin ich zuf\u00e4llig gestern bei seinen chronologisch geordneten Essays im Jahr 1937 angelangt. Es ist faszinierend zu lesen, wie er als ein au\u00dferordentlich gebildeter und wortgewaltiger Zeitzeuge und Bewunderer der deutschen Kultur den Niedergang Deutschlands sieht.<\/p>\n<blockquote><p>Sein Ziel [des Buches &#8222;Trau keinem Fuchs auf gr\u00fcner Heid und keinem Jud bei seinem Eid&#8220;] ist es, den Kindern des <em>Dritten Reiches<\/em> Mi\u00dftrauen und Abscheu gegen\u00fcber dem Juden einzufl\u00f6\u00dfen. Es handelt sich um einen \u00dcbungskursus in Sachen Ha\u00df.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nWas soll man von so einem Buch halten? Ich pers\u00f6nlich bin emp\u00f6rt, weniger Israels als Deutschlands wegen, weniger wegen der beleidigten Gemeinschaft denn wegen der beleidigenden Nation. Ich wei\u00df nicht, ob die Welt auf die deutsche Zivilisation verzichten kann. Es ist ist sch\u00e4ndlich, da\u00df diese durch Lehren des Hasses zersetzt wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Eine P\u00e4dagogik des Hasses, 1937)<\/p>\n<blockquote><p>Doktor Johannes Rohr (aus Berlin) hat die sehr deutsche\u00a0<em>Geschichte der Deutschen National-Literatur<\/em> von A.F.C. Vilmar revidiert, umgeschrieben und germanisiert. [&#8230;] Dieser perverse Katalog enth\u00e4lt an die siebenhundert Autoren, verschweigt aber unglaublicherweise den Namen Heine.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nDas ist noch nicht alles. Goethe, Lessing und Nietzsche wurden entstellt und verst\u00fcmmelt. Fichte und Hegel tauchen auf, aber Schopenhauer wird nicht einmal erw\u00e4hnt. [&#8230;] In Ru\u00dfland geschieht Schlimmeres! h\u00f6re ich Leute sagen. Ich stimme unendlich zu, aber Ru\u00dfland kann uns nicht so sehr interessieren wie Deutschland. Deutschland\u00a0\u2013 zusammen mit Frankreich, England, den Vereinigten Staaten\u00a0\u2013 ist eines der wesentlichen V\u00f6lker der westlichen Welt. Daher unsere Trostlosigkeit angesichts von Deutschlands Verfinsterung und Zwietracht, daher die symptomatische Bedrohlichkeit von B\u00fcchern wie diesem.<\/p>\n<p>Es erscheint mir als normal, da\u00df die Deutschen den Vertrag von Versailles ablehnen. (Es gibt keinen\u00a0<em>guten Europ\u00e4er<\/em>, der dieses rachs\u00fcchtige Dokument nicht\u00a0ablehnte.) Es erscheint mir als normal, da\u00df sie die Republik schm\u00e4hen, einen beil\u00e4ufigen (und servilen) Entwurf zur Beschwichtigung von Wilson. Es erscheint mir als normal, da\u00df sie mit Inbrunst auf einen Mann setzen, der ihre Ehre zu verteidigen verspricht. Es erscheint mir als wahnsinnig, da\u00df sie f\u00fcr diese Ehre ihre Kultur, ihre Vergangenheit und ihre Redlichkeit opfern wollen und sich ingrimmig des Studiums der Barbarei beflei\u00dfigen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Eine verst\u00f6rende Darstellung, 1938)<\/p>\n<blockquote><p>Diejenigen, die Hitler hassen, hassen gew\u00f6hnlich Deutschland. Ich habe Deutschland immer bewundert. [&#8230;] Ich verabscheue Hitler, gerade weil er meinen Glauben an das deutsche Volk nicht teilt; weil er beschlossen hat, da\u00df Barbarei die einzig m\u00f6gliche P\u00e4dagogik ist, um 1918 r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, und Konzentrationslager der beste Ansporn dazu.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nEs ist m\u00f6glich, da\u00df eine deutsche Niederlage Deutschlands Untergang w\u00e4re; es ist unbestreitbar, da\u00df ein deutscher Sieg die Welt sch\u00e4nden und zerst\u00f6ren w\u00fcrde. Ich beziehe mich nicht auf die imagin\u00e4re Gefahr eines kolonialen Abenteuers in S\u00fcdamerika; ich denke an jene einheimischen Imitatoren, hausgemachte\u00a0<em>\u00dcbermenschen<\/em>, die der gnadenlose Zufall \u00fcber uns bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich hoffe, die Jahre werden uns die gl\u00fcckhafte Vernichtung Adolf Hitlers bringen, dieses gr\u00e4\u00dflichen Erzeugnisses von Versailles.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Versuch in Neutralit\u00e4t, 1939)<\/p>\n<blockquote><p>Der Hitlerist ist\u00a0\u2013 immer\u00a0\u2013 ein nachtragender, streits\u00fcchtiger Mensch, ein geheimer, manchmal sogar offener, Bewunderer von krimineller &#8222;Gerissenheit&#8220; und Grausamkeit.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Definition des Germanophilen, 1940)<\/p>\n<p>Zu argentinischen Verehrern Hitlers (Borges war selbst Argentinier):<\/p>\n<blockquote><p>Sie [die Germanophilen] haben der Invasion Norwegens und Griechenlands, der Sowjetrepubliken und Hollands applaudiert; wer wei\u00df, welche Feiern sie am Tag der Brandschatzung unserer St\u00e4dte und Str\u00e4nde aust\u00fcfteln werden. Ungeduldig zu sein ist kindisch; Hitlers\u00a0<em>caritas<\/em> ist \u00f6kumenisch; binnen kurzem (wenn die Vaterlandsverr\u00e4ter und die Juden ihn nicht daran hindern) werden wir alle Vorz\u00fcge von Folter, Sodomie, Vergewaltigung und Massenhinrichtungen genie\u00dfen. Bieten denn unsere Ebenen nicht im \u00dcberma\u00df\u00a0<em>Lebensraum<\/em>, jenen unbegrenzten kostbaren Rohstoff? Zur Widerlegung unserer Hoffnungen bemerkt jemand, da\u00df wir sehr weit weg sind. Meine Antwort an ihn lautet, da\u00df Kolonien immer weit von der Metropole entfernt sind; der Belgische Kongo liegt nicht an der belgischen Grenze.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Aus Ausgabe Nr. 87 von <em>Sur<\/em>, Dezember 1941)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Verehrer Jorge Luis Borges&#8216; bin ich zuf\u00e4llig gestern bei seinen chronologisch geordneten Essays im Jahr 1937 angelangt. Es ist faszinierend zu lesen, wie er&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/04\/20\/zu-hitlers-geburtstag\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\">Zu Hitlers Geburtstag<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,10],"tags":[],"class_list":["post-671","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-krieg","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=671"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/671\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":673,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/671\/revisions\/673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}