{"id":608,"date":"2019-03-25T19:50:22","date_gmt":"2019-03-25T18:50:22","guid":{"rendered":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/?p=608"},"modified":"2019-03-25T20:16:52","modified_gmt":"2019-03-25T19:16:52","slug":"greg-egan-cyber-city","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinterdemnebel.de\/index.php\/2019\/03\/25\/greg-egan-cyber-city\/","title":{"rendered":"Greg Egan \u2013 Cyber-City"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-cover-e1553534804606.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-609\" src=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-cover-e1553534804606-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-cover-e1553534804606-190x300.jpg 190w, https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-cover-e1553534804606-768x1213.jpg 768w, https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-cover-e1553534804606-649x1024.jpg 649w, https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-cover-e1553534804606.jpg 1653w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Am st\u00e4rksten gepr\u00e4gt haben mich zwar die Sachb\u00fccher <em>G\u00f6del, Escher, Bach<\/em> und <em>Einsicht ins Ich<\/em> (beide von Douglas R. Hofstadter), aber an dritter Stelle kommt ein Roman: <em>Cyber-City<\/em> von Greg Egan. Vor etwa einem Jahr nahm ich es nochmals in Angriff, brach es aber ab. Es z\u00e4hlt zur Hard-Scifi, und ist selbst in dem Bereich noch besonders schwierig und dr\u00f6ge. Als Kind mit scheinbar unendlich Zeit hatte ich mehr Geduld mit solchen Texten (und bin viel tiefer in B\u00fccher versunken). Ein Rezensent auf Amazon <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/customer-reviews\/R21ZKSV41EH9C4\/ref=cm_cr_dp_d_rvw_ttl?ie=UTF8&amp;ASIN=B01CL99TP4\">fasst hervorragend in Worte<\/a>, wie das Buch typischerweise rezipiert wird und wie sehr sich das Durchhalten lohnt.<\/p>\n<blockquote><p>Dieses Buch ist grottig. Das war mein Gedanke, als Zeile um Zeile Maria zum ersten Mal mit dem Autouniversum arbeitete. Die Passage war an Langeweile und mangelnder erz\u00e4hlerischer Kunst nicht zu \u00fcbertreffen. Wenngleich das Buch mehrere solcher Momente kennt, war das f\u00fcr mich der schlimmste. Als ich ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte gelesen hatte, las ich nur aus purem Trotz weiter, dieses \u00f6de Werk abhaken zu k\u00f6nnen. Ich lese prinzipiell B\u00fccher zu Ende. Und zu diesem Zeitpunkt stand f\u00fcr mich schon mal eines fest: Ich werde dieses Buch definitiv NICHT als eines der Besten je von mir gelesenen einsch\u00e4tzen.<br \/>\nUnd ich tat es doch.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Was aber all diese kritischen Stimmen auszeichnet ist auch, dass sie das Buch nicht zu Ende gelesen haben. Ein gro\u00dfer Fehler. Denn wenn man trotz aller Qual bei der Stange bleibt, trotz des aufkommenden Desinteresses weiter mitdenkt und das Geschriebene nachvollzieht &#8218; sprich die H\u00fcrden \u00fcberwindet &#8218; wird man am Ende feststellen, einen sehr wertvollen Roman gelesen zu haben. Einen Roman, der am Schluss die langwierigen Erkl\u00e4rungen des Anfangs logisch, ja n\u00f6tig erscheinen l\u00e4sst, ohne die so ein tolles Gesamtwerk nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Es ist wahr, zwischendurch wollte ich das Buch am liebsten einfach zur Seite werfen, nach der letzten Zeile war ich hellauf begeistert.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Eine Warnung muss ich dennoch aussprechen: Wer B\u00fccher als blo\u00dfes Medium der Unterhaltung betrachtet: Verschwenden Sie nicht ihre Zeit. Dieses Buch unterh\u00e4lt vor allem dadurch, anzuregen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die vom Rezensenten als besonders \u00f6de hervorgehobene Stelle war \u00fcbrigens genau die, an der ich meine Lekt\u00fcre abbrach. \u00dcber viele Seiten wird beschrieben, wie Maria simulierte Bakterien manipuliert.<\/p>\n<p>Als sehr irritierend empfinde ich, dass das Buch von Bastei L\u00fcbbe verlegt wurde. Diese Tatsache, zusammen mit der Tagline &#8222;Sie bauen eine Stadt am Rande der Ewigkeit&#8220; und dem beinahe trashigen Titel, adressiert die Zielgruppe zu ungenau. Mittlerweile wird der Roman von Heyne verlegt, was viel besser passt. Der Originaltitel ist <em>Permutation City<\/em>, worin sich Greg Egans Leidenschaft f\u00fcr Mathematik widerspiegelt (siehe auch sein <a href=\"http:\/\/www.gregegan.net\/SCIENCE\/Superpermutations\/Superpermutations.html\">Artikel zu Superpermutationen<\/a>). Seine Romane nutzt er, um seine Gedankenexperimente auszuarbeiten und zu veranschaulichen (siehe auch sein <a href=\"http:\/\/www.gregegan.net\/PERMUTATION\/FAQ\/FAQ.html\">FAQ zu Cyber-City<\/a>, das man aber erst nach dem Buch lesen sollte).<\/p>\n<h2>Das berechnete Bewusstsein<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-buch-e1553538055917.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-612\" src=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-buch-e1553538055917-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-buch-e1553538055917-300x260.jpg 300w, https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-buch-e1553538055917-768x665.jpg 768w, https:\/\/hinterdemnebel.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/cyber-city-buch-e1553538055917-1024x887.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ein nicht geringer Teil des Buches widmet sich Experimenten zur Kontinuit\u00e4t des Bewusstseins. Bis heute frage ich mich, ob es diese Kontinuit\u00e4t in einem Rechner, der mit getakteten Chips arbeitet, eigentlich geben kann. Was verbindet einen Takt mit dem anderen? W\u00e4re das Bewusstsein zwischen zwei Takten nicht &#8222;tot&#8220;, also nicht-existent?<\/p>\n<p>Greg Egans Gedankenexperimente haben gemeinsam, dass der Protagonist bis 10 z\u00e4hlen soll. W\u00e4hrenddessen werden die Zust\u00e4nde des Rechners, der sein Bewusstsein berechnet, auf verschiedene Arten manipuliert. So werden zum Beispiel die Geisteszust\u00e4nde, in denen sich das Bewusstsein beim Z\u00e4hlvorgang befindet, in zuf\u00e4lliger Reihenfolge simuliert oder auf hunderte von Prozessoren aufgeteilt. Das Bewusstsein bemerkt dies nicht. Ebenfalls bemerkt das Bewusstsein keine Verlangsamung seiner Berechnung oder beliebig lange Pausen. Dies ist logisch unter der Annahme, dass die tats\u00e4chliche Zerhackung der Gedanken durch die Takte des Rechners dem Bewusstsein nicht die Illusion seiner Kontinuit\u00e4t nimmt. Falls dies wirklich so w\u00e4re, falls also trotz Nanosekunden-Tod eine subjektive Kontinuit\u00e4t vorhanden w\u00e4re, dann w\u00e4re sogar der Tod in der realen Welt potentiell nur die nicht wahrnehmbare Unterbrechung zwischen zwei Seins-Zust\u00e4nden (allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass nach l\u00e4ngerer Zeit eine Materie-Konfiguration auftritt, die das Bewusstsein fortf\u00fchrt. In einem unendlich andauernden Universum w\u00fcrde dies jedoch, wenn die Umst\u00e4nde nicht speziell ungeeignet sind, zwingend passieren.).<\/p>\n<h2>Andere Werke<\/h2>\n<p>Da Greg Egan eine Sonderrolle einnimmt (ich kenne keine vergleichbaren Autoren), seien hier noch andere Werke erw\u00e4hnt. Cyber-City ist Teil des <em><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/bookseries\/B00YSQSQ1C\/ref=dp_st_3404242009\">Subjective Cosmology Cycles<\/a><\/em>, dessen drei B\u00fccher jedoch lediglich durch \u00e4hnliche Ideen verbunden sind. Sie sind unabh\u00e4ngig voneinander.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Novelle <em>Oceanic<\/em> bekam er den Hugo Award, f\u00fcr <em>Distress<\/em> (auf deutsch als <em>Qual<\/em> erschienen) erhielt er den deutschen Kurd-La\u00dfwitz-Preis.<\/p>\n<p>Den Roman <em>Diaspora<\/em> habe ich noch ungelesen im Regal stehen. Aber er ist als eines der n\u00e4chsten B\u00fccher vorgemerkt.<\/p>\n<blockquote><p>Manchmal ist Egans Gedankenwelt so fremdartig und dennoch so unglaublich schl\u00fcssig, dass man nicht wei\u00df, warum man von Dingen so fasziniert sein kann, die man doch augenscheinlich so wenig versteht. Seine Ideen \u2013 ein Waisenkind, das in die virtuelle Welt einer Polis geboren wird \u2013 und seine Erkl\u00e4rungen er\u00f6ffnen Perspektiven, die einem schlichtweg den Atem verschlagen. Wer sich aus Neugier vorab schon an die englische Version von\u00a0Diaspora\u00a0gemacht hat wird die deutsche Ausgabe hei\u00df ersehnt haben und schnell den Wunsch versp\u00fcren, den \u00dcbersetzer kennen zu lernen. Ein brillantes Buch, das stellenweise so hell leuchtet, dass es das Gehirn zu kochen droht. Hard-SF hat einen neuen Namen und der hei\u00dft Greg Egan.\u00a0 (Wolfgang Tress)<\/p><\/blockquote>\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Diaspora-Roman-Greg-Egan-ebook\/dp\/B01CL9A6UQ\/\">Quelle<\/a>)<\/p>\n<p>Richtig hei\u00df bin ich auf <em>Dichronauts<\/em>, allerdings hoffe ich auf eine deutsche \u00dcbersetzung. In dem Buch geht es um eine Welt, in der sich das Licht nicht nach Norden oder S\u00fcden ausbreiten kann. Dies scheint mit den mathematischen Regeln der Welt zusammenzuh\u00e4ngen. Der Protagonist kann, wie alle anderen, nur nach Osten oder Westen sehen und sich nur in diese Richtungen bewegen. W\u00fcrde er sich nach Norden oder S\u00fcden drehen, w\u00fcrde sein K\u00f6rper unendlich gedehnt. In seinem Kopf lebt au\u00dferdem ein Symbiont.<br \/>\nDie Reaktionen sind bereits vielversprechend:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Impressively bizarre . . . Egan may have out-Eganed himself with this one.&#8220; \u2013Publishers Weekly&#8220;<\/p>\n<p>Egan (The Arrows of Time, 2014, etc.) specializes in inventing seriously strange worlds;\u00a0this one might well be his weirdest yet.&#8220; \u2013 Kirkus Reviews<\/p>\n<p>I haven&#8217;t been this surprised and entertained by world building for a long time, and I was beginning to think I had outgrown science fiction. I hadn&#8217;t. I just didn&#8217;t know how far it could go.\u00a0\u2013 Daniel M. Bensen<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte gar nichts \u00fcber den Inhalt sagen, nur so viel: ich war auf jeder Seite geflasht. Wie kommt man darauf sich so ein Universum vorzustellen!?\u00a0\u2013 Ulrike<\/p><\/blockquote>\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Dichronauts-English-Greg-Egan-ebook\/dp\/B01MV3SUNB\/\">Quelle<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am st\u00e4rksten gepr\u00e4gt haben mich zwar die Sachb\u00fccher G\u00f6del, Escher, Bach und Einsicht ins Ich (beide von Douglas R. 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